Geschichte des Bergwerks Ewald Fortsetzung

Oer-Erkenschwick - früher die ärmste Gemeinde Preußens, über den Status der zweitkleinsten Stadt im Ruhrgebiet, heute eine kreisangehörende Stadt mittlerer Größe - blickt auf eine lange Bergbaugeschichte zurück. 

Diese begann 1899 mit dem Abteufen von Schacht 1. Nach dessen Fertigstellung 1902, unter dem Namen Bergwerk Graf Waldersee, wurde mit der Kohleförderung begonnen.

Aber erst nach der Umbenennung in Bergwerk Ewald Fortsetzung begann die lange und ereignisreiche Geschichte des Bergwerkes.

Weitere Schächte wurden abgeteuft (Schacht 2-5). In den 1930er Jahren führten Absatzschwierigkeiten infolge der Weltwirtschaftskrise dazu, dass Ewald Fortsetzung von 1931 bis 1938 stillgelegt wurde. In der Zeit des Zweiten Weltkrieg wurde die Fördermenge jedoch auf das bis dahin höchste Jahresergebnis (1943: 1,44 Millionen Tonnen) gesteigert


1969 wurde die Zeche Ewald Fortsetzung mitsamt der Kokerei in die neugegründete Ruhrkohle AG eingegliedert. 1975 erfolgte ein Durchschlag zur Zeche General Blumenthal.

1984 wurde die Kokerei stillgelegt.

1992 kam dann die Zusammenlegung der inzwischen in Bergwerk Haard umbenannten Schachtanlage mit dem Nachbarbergwerk General Blunenthal in Recklinghausen zum Verbundbergwerk Blumenthal/Haard. 


Doch der Verbund hielt nur kurz. Die politischen Weichen für das Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus im Revier und an der Saar waren schon gestellt. Der zwischenzeitlich anvisierte Plan einer möglichen Nordwanderung des Steinkohlenbergbaus über Schacht an der Haard 1, sowie einer Erweiterung der ehemaligen Schachtanlage Ewald Fortsetzung durch einen neu zu erstellenden Schrägschacht um die Kohlen in Erkenschwick zu Tage zu fördern, wurde verworfen. 

Die Schachtanlage im Herzen Oer-Erkenschwicks wurde stillgelegt und ab 1997 (Schacht 2) bis 1999 (Schächte 3 4,5) verfüllt. 

Landmarken bzw. Wahrzeichen der Stadt wurden abgerissen und waren verschwunden.

Heute erinnert nur noch wenig an das einstige wirtschaftliche Zentrum der Stadt. Neben der Lohn- bzw. Lichthalle im Verwaltungsgebäude und der Kaue sind noch das Magazin sowie das Schachtgerüst und Maschinenhaus von Schacht 3 vorhanden. Alle Gebäude stehen seit der Schließung unter Denkmalschutz.

Und dann ist da noch der ehemalige Lehrstollen des Ausbildungsbetriebs von Ewald Fortsetzung.

Auf genau diesem Gelände wurde im Jahr 2002 der Bergbau- und Geschichtsverein von rund 80 ehemaligen Kumpel und Bürgern der Stadt mit dem Ziel gegründet, die Bergbauhistorie der Stadt Oer-Erkenschwick in allen Facetten für die Nachwelt zu erhalten.

Mit viel Einsatz und Schweiß wurde die Anlage der ehemaligen Ausbildungsabteilung überarbeitet und für den öffentlichen Betrieb hergerichtet.

In Teilen der damaligen Schweißlehrwerkstatt wurde in mühevoller Kleinarbeit eine originalgetreue Bergmannswohnung der 50er Jahre nachgebaut. Die gute Stube beinhaltet neben Röhrenradio, Oma's Schlafzimmer, der gusseisernen Kücheneinrichtung und der  Waschküche der 50er Jahre alles was an die Wirtschaftswunderzeit erinnert. Das Nähkästchen sieht aus, als wäre Oma nur kurz zum Markt. Beim Anblick der leeren Bierflaschen, mit denen die Kumpel sich nur zu gern den Staub oder den Frust über den Fußball die Kehle herunter gespült hatten, bekommt man unwillkürlich nostalgische Gefühle oder zumindest einen Einblick in die Zeit von Opel Kapitän, Toast Hawai und dem Wunder von Bern,  etc.

 

Alle Ausstellungsstücke sind Originale, die uns zur Verfügung gestellt wurden! 


Herzstück der Museumsanlage bildet jedoch der im ehemaligen Ringofen untergebrachte Lehrstollen. Dieser diente den Auszubildenden jahrzehntelang als Übungsort, der in Detailtreue, Funktionalität, ja sogar dem Geruch nach, der echten Bergbauwelt unter Tage in Streben und Strecken in nichts nachstand. 

Das Museum finanziert sich heute zwar größtenteils aus eigener Kraft,  jedoch sind wir stets auf Spenden angewiesen.

Alle "Mitarbeiter" sind ehrenamtlich als Mitglieder des Bergbau- und Geschichtsvereins Oer-Erkenschwick tätig.

Jeden Mittwoch und Samstag sind die Tore für Besucher geöffnet, weitere Termine können auf Anfrage vereinbart werden.


Und nicht nur Besichtigungen sind hier möglich.


Als offizielle Außenstelle des Standesamtes finden in Zusammenarbeit mit den Standesbeamten der Stadt Oer-Erkenschwick im Lehrstollen, zwischen Bandantrieb und Einschienenhängebahn, Trauungen statt. Dieses Angebot wird von Paaren weit über die Grenzen Oer-Erkenschwicks genutzt. Und mit ein wenig Stolz können wir darauf hinweisen, dass es inzwischen weit über 300 Paare sind, die bei uns den Bund der Ehe "unter Tage" geschlossen haben!

 

Ein weiteres Highlight des Museums ist die Revierbude, ein Veranstaltungsort der seinesgleichen sucht. In originalgetreuem Ambiente können hier Vereinsmitglieder Firmen- und Familienfeste mit bis zu 150 Personen feiern.