WAZ vom 21.12.2006
Brautpaare heiraten im Stollen
Es läuft beim Bergbau- und Geschichtsverein Oer-Erkenschwick. Entsprechend komplikationslos und flott ging die Jahreshauptversammlung vorüber.
Haupttenor der Mitglieder-Zusammenkunft: Die Angebote des Vereins, der das Museum im ehemaligen Lehrstollen betreibt, werden bestens angenommen. Davon künden die Zahlen, die Lehrstollen-Koordinator Peter Hadrys sprechen ließ. 5.346 Menschen besuchten das Museum am Ziegeleitor, und zwar in 98 Gruppen. Unter anderem die WM-Ausstellung Anfang des Jahres brachte besondere Aufmerksamkeit. Aber auch 16 Brautpaare nutzten die geschichtsträchtigen Räume 2006 als stimmungsvolle Umgebung.
Jetzt, wo das Vereinsleben so gut fluppt - unter anderem konnte Martin Wiethoff als 150. Mitglied bei der Versammlung begrüßt werden - streckt sich der Bergbau- und Geschichtsverein nach neuen Zielen. Noch immer ist der Lehrstollen im Besitz der Montan-Grundstücksgesellschaft (MGG). Deswegen bleiben zum Beispiel viele Fördergeld-Töpfe für den Oer-Erkenschwicker Verein zu - das wäre anders, wenn der Verein selbst oder etwa die Stadt Eigentümer wäre. Auch die Beschäftigung von Arbeitslosen der Recklinghäuser Initiative RE.init ist aus diesem Grund nicht ohne weiteres möglich. Wie Vorsitzender Markus Pliska den rund 30 Anwesenden aber berichten konnte, steht Bürgermeister Achim Menge kurz vor dem Abschluss der Gespräche mit der MGG. Ein weiterer Plan ist, die ehemalige Fördermaschinenhalle in die Obhut des Vereins zu geben. "Renovieren und restaurieren können wir sie zwar nicht", so Pliska. "Dazu fehlt uns die Manpower." Aber sich danach um das Gebäude zu kümmern und es mit Leben zu füllen, dazu sind sie gern bereit.
Noch bis zum 16. Februar ist die Grubenlampen-Ausstellung im Bergbau-Museum zu sehen. Objekte von 2000 vor Christus bis zur heutigen Zeit sind dort zu den Öffnungszeiten des Museums (Mi. und Sa., 10 bis 14 Uhr) oder für Gruppen nach vorheriger Anmeldung möglich: 46 96, Peter Hadrys.
-Tamina Urbaniak-
Stimberg Zeitung vom 21.12.2006

WAZ vom 02.12.2006
Die den Weg leuchten
Im Bergbaumuseum ist die Ausstellung "Grubenlicht unter Tage" zu bewundern.
Wolfgang Dudek präsentiert 136 verschiedene Lampen aus allen Epochen
BERGBAU IN OER-ERKENSCHWICK. "Glauben Sie nicht, wenn Sie eine Sammlung von 10.000 verschiedenen Grubenlampen hätten, dass sie alle haben", sagt Wolfgang Dudek. Dudek muss es wissen, schließlich sammelt er seit zwölf Jahren und hat rund 450 Exemplare zusammen. 136 davon stehen nun im Bergbaumuseum und können bis zum 01. März dort besichtigt werden.
Sein Licht unter den Scheffel stellen muss der 55-Jährige aber sicherlich nicht, denn die Grubenlampen, die im Bergbaumuseum zu sehen sind, decken die komplette Bandbreite der Unter-Tage-Leuchten der Bergmänner ab. Von dem rund 2500 Jahre alten Öllampenfragment, das er gemeinsam mit seiner Frau bei einer Stollenerkundung im griechischen Lavrio vor zwölf Jahren gefunden hat, bis hin zur topaktuellen LED-Leuchte, die zwar schon bergbautechnisch abgesegnet, aber noch nicht den Kumpel ausgehändigt worden ist, erstrecken sich die Leuchten.
Und zu jedem einzelnen Exponat könnte er etwas erzählen: "Sehen Sie hier, diese Lampe ist fast identisch mit der daneben. Nur die Streben sind hier aus Stahl und nicht aus Messing. Das liegt daran, dass im Zweiten Weltkrieg Messing für andere Dinge benötigt wurde. Und so hat man diese Teile aus Stahl gefertigt."
Er erzählt von Schlagwetterexplosionen, die durch die alten Öl- und Benzinlampen ausgelöst wurden, wie ein englischer Ingenieur mit einem Drahtnetz oberhalb der Leuchte das Risiko einer Gasexplosion minimierte, da so das aus der Kohle ausgasende Methan sich nicht mehr so leicht an der Flamme entzünden konnte, von den Leuchtmitteln wie Öl und Karbit, die auch heute noch in Erzbergwerken genutzt werden.
Die nicht ganz so früh gewünschte zusätzliche Freizeit hat er nun aber dringend nötig, denn seine Sammelleidenschaft verschlingt Unmengen an Zeit. Selbst der Urlaub wurde darauf abgestimmt. Bergbauforschung in den griechischen Silbererzminen in Lavrio durfte in den Sommermonaten nicht fehlen. Und auch jetzt muss sich Ehefrau Edeltraud, die bei der Ausstellungseröffnung vor Ort war, mit seiner Leidenschaft arrangieren: "Was bleibt mir anderes übrig", scherzt sie.
-Michael Jacobs-
Stimberg Zeitung vom 01.12.2006
Licht für "unter Tage"
Rund 2500 Jahre ist sie alt, die Grubenlampe, die Wolfgang Dudek in der Nähe von Athen ausgrub. Zu sehen ist das gute Stück zusammen mit 135 weiteren "Geleuchten" im Bergbaumuseum am Ziegeleitor.
Die antike Lampe, die in den altgriechischen Silbererzminen zum Einsatz kam, hat bei dem Bergmann aus Marl eine Sammelleidenschaft ausgelöst. Insgesamt 450 Exemplare nennt er mittlerweile sein Eigen. Grund genug für Peter Hadrys vom Bergbau- und Geschichtsverein, mit Wolfgang Dudek Kontakt aufzunehmen und eine Grubenlampen-Ausstellung zu initiieren. Und so finden sich
derzeit viele historische Kleinode, die Geschichte des Bergbaus dokumentieren. Neben den Grubenlampen sind auch die alten Zechenbücher zu bewundern, die alle Ereignisse von der Abteufung der Zeche Ewald-Fortsetzung im Jahr 1899 bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts beinhalten.
"Wir möchten uns bei der Volksbank und beim Verein für Orts- und Heimatkunde bedanken", so Peter Hadrys. Das Geldinstitut hatte kurzfristig durch Spenden die Anschaffung von Vitrinen ermöglicht, der Heimatverein stellte seine Tischvitrinen zur Verfügung.
Die Ausstellung "Grubenlicht unter Tage" ist noch bis zum 16. Februar zu sehen. Geöffnet ist das Museum, Am Ziegeleitor 5, jeweils mittwochs und samstags von 10 bis 14 Uhr. Termine für Gruppenführungen können mit Peter Hadrys, 4696, oder Fritz Buresch, 53661, vereinbart werden.
-Ingrid Wolff-
Stimberg Zeitung vom 10.08.2006
Russen entdecken neue Welten
Eine Entdeckungstour in eine neue unbekannte Welt unternahm gestern eine Delegation aus Troitzk beim Besuch des Bergbaumuseums am Ziegeleitor.
Friedrich Buresch vom Museumsverein, der die elf Russen durch den ehemaligen Lehrstollen des Bergwerks Ewald-Fortsetzung führte, musste viele Fragen zur Arbeit der Kumpel und der Technik unter Tage beantworten. Der Museumsbesuch bildete den Auftakt eines Besuchsprogramms der Delegation des "Deutschen Clubs" aus Troitzk, die noch bis zum 18. August zu Gast in Oer-Erkenschwick und Recklinghausen ist. Sie statteten den Familien des Deutsch-Russischen Freundeskreises einen Gegenbesuch ab, nachdem diese im vergangenen Jahr Troitzk besucht hatten.
Erst die Kinder - dann die Eltern Seit 15 Jahren besteht ein regelmäßiger Schüleraustausch zwischen dem Willy-Brandt-Gymnasium und der Troitzker Schule "Nummer Sechs". Der "Deutsche Club" und sein Pendant auf deutscher Seite sind Anfang der 90iger Jahre diesem Austausch entsprungen. "Erst haben die Kinder Freundschaften geschlossen - und anschließend auch die Eltern. Das finde ich sehr schön", so Tatjana Senatorova, die den 45 Mitglieder starken "Deutschen Club" seit 1995 führt.
"In der Zeit unmittelbar nach der Perestroika war es für die jungen Leute ganz wichtig, über den Schüleraustausch und Hospitationen in Unternehmen, Krankenhäusern und Verwaltungen Erfahrungen für das neue Leben nach dem Kommunismus zu sammeln. Inzwischen haben sich daraus Freundschaften zwischen deutschen und russischen Familien entwickelt, die wir mit solchen Besuchen weiter ausbauen wollen", betont Tatjana Senatorova.
Mit Maria Navyschkova befindet sich eine junge Frau unter den Gästen, die diese Entwicklung verkörpert. Sie gehörte zu der ersten Gruppe russischer Schüler, die 1991 nach Oer-Erkenschwick kam.
"Großer Schub für späteres Leben"
Für die damals 14jährige eine einschneidende Erfahrung. "Der Besuch hat mir eine andere, völlig neue Welt eröffnet. Dieses Erlebnis hat mir einen großen Schub für mein späteres Leben gegeben", erinnert sie sich. Maria Navyschkova (kl. Foto) - studierte Biochemie und Jura und vertritt heute die Interessen ausländischer Patentinhaber in Russland. Die 29jährige schwärmt noch heute von der herzlichen Aufnahme 1991 in der Familie des ehemaligen Hauptschuldirektors Dieter Hahne. Nun ist sie dem "Deutschen Club" beigetreten, denn auch ihre Kinder sollen von dem Austausch profitieren. "Ich habe mich hier nach der langen Zeit sofort wieder wie zu Hause gefühlt. Für mich sind die 15 Jahre so vorbeigeflogen."
-Oliver Kleine-
Stimberg Zeitung vom 29.05.2006
"Pütt"-Historie trifft Pragmatismus
Sie kennen keine Pause, diese Herren. Immer aktiv im Dienste der Bergbaugeschichte, im Dienste der Nachwelt, die noch so oft wissen möchte, wie es denn einst so war auf dem "Pütt". "Es gibt immer was zu tun", sagt daher Peter Hadrys. Dabei haben sie schon eine Menge geschaffen beim Bergbau- und Geschichtsverein am Ziegeleitor. Worauf sie wirklich inzwischen stolz sein können.
Die Herren könnten es sich leicht machen. Ihr Rentnerdasein genießen, den Tag im Trockenen verbringen, während es draußen schüttet. Es ist Samstagvormittag, kurz vor elf, im Schatten des ehemaligen Zechengeländes. Hier schlug einst das Herz der Stadt. Und auch wenn sich der Bergbau längst vollends zurückgezogen hat, dieses Herz kennt keinen Stillstand.
Also, zu Hause im Trockenen sitzen, das ist für Männer wie Peter Hadrys, Dietmar Seemann oder Franz Idkowiak auch an solchen Tagen nichts. Und so sind sie auch an diesem Wochenende im Einsatz. Was seit der Vereinsgründung dort geschaffen wurde, ist aller Ehren wert. Ende 2001 ist der Bergbau- und Geschichtsverein gegründet worden und längst über die Stadtgrenzen hinaus ein Begriff. Ein Museum quasi vor der Haustür - das nutzen viele.
Erst jüngst war eine Messdienergruppe aus Werl vor Ort und machte sich zu einem Rundgang auf. "Kindergärten und Schulen kommen schon lange regelmäßig", ergänzt Dietmar Seemann. Und nicht nur das: Dass man im Museum auch heiraten kann, entwickelt sich zunehmend zu einem Renner. "Wir bereiten uns gerade auf unsere 25. standesamtliche Trauung vor", berichtet Peter Hadrys. Und jedes Brautpaar und deren Gäste waren von dem Ambiente angetan gewesen. "Immerhin bieten wir die Hochzeiten ja erst seit dem 05.05.2005 an, das ist schon eine stolze Bilanz", so der Lehrstollen-Koordinator.
Peter Hadrys, Dietmar Seemann und Franz Idkowiak bilden zusammen mit Friedrich Buresch, Günter Lukas, Jürgen Gottschlich, Helmut Barschdorf, Erich Brüning, Lothar Krengel und Dieter Roche den "Stamm" der Vereinsmannschaft, die das Museum zu dem gemacht hat, was es heute ist. Das Geheimnis des Erfolgs ist wohl auch ein ganzes Stück Flexibilität. "Wenn eine Gruppe sagt, wir können erst um 20 Uhr zur Besichtigung kommen, dann ist von uns eben einer um 20 Uhr da. Wo ist das Problem", sagt Dietmar Seemann. Klare Sache: "Pütt" trifft Pragmatismus.
Neuer Raum für Bergmannsvereine
Und so pragmatisch gehen die Herren voran. Gerade eben ist der Aufgang zu den Räumlichkeiten für die Bergmannsvereine entstanden. An den Wänden der Treppe hängen schon die ersten Utensilien befreundeter Organisationen. Der Raum selbst, rund 60 Quadratmeter groß, wird gerade hergerichtet. In Zukunft können die Bergmannsvereine hier Sitzungen abhalten. Ganz nahe an der eigenen Geschichte.
Bergbau- und Geschichtsmuseum Oer-Erkenschwick -
- Ansprechpartner Peter Hadrys (0170/8173756), Friedrich Buresch (0162/3338755) -
-Jochen Börger-
Stimberg Zeitung vom 18.04.2006
Osterfeuer locken viele Besucher an
Leichter Rauchgeruch lag am Osterwochenende über der Stadt. Grund dafür waren die zahlreichen Osterfeuer, die am Samstag und Sonntag abgebrannt wurden.
Hunderte Besucher fanden den Weg zu den "Feuerstellen". Hochbetrieb herrschte beispielsweise auf dem Gelände der DJK Grün-Weiß. Hier hatte Jugendheimbetreiber Manfred Schürk nicht nur wieder für ein knisterndes Osterfeuer, sondern auch für ein ansprechendes Rahmenprogramm gesorgt.
Gut besucht war auch das Familienangebot beim Bergbau- und Geschichtsverein. Hier kamen vor allem die Kinder auf ihre Kosten. Das galt auch für die evangelische Kirchengemeinde, die an der Weidenstraße feierte.
-Jörg Müller-
WAZ vom 08.04.2006
Banner und Flugblatt sollen mehr Besucher locken
Eintritt ins Bergbaumuseum bleibt weiter kostenlos. Mehr Sponsoren und Mitglieder sollen Betrieb sicherstellen
"Von ganz, ganz weit weg sollen die Leute schon sehen, ob das Museum offen ist", sagt Markus Pliska, Vorsitzender des Bergbau- und Geschichtsvereins.
Mit dem großen neuen Banner wird das sicher gelingen. Zu den regulären Öffnungszeiten soll es ab sofort immer am Zaun befestigt werden. Darauf steht der sinnige Schriftzug "Museum geöffnet". Sponsor ist die Provinzial - was auf dem Transparent nicht zu übersehen ist.
Regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich ist das Bergbaumuseum schon länger. Allerdings scheint der Verein mit dem Besuch bisher nicht ganz zufrieden. Deshalb wurde nun ein neues Flugblatt erstellt, das die Attraktionen im Museum vorstellt. Der Eintritt bleibt weiterhin kostenlos, dafür werden Spenden erbeten. "Wir wollen das weiter so versuchen. Ob es klappt, hängt von der Zahl unserer Sponsoren und Mitglieder ab", sagt Pliska.
Mittlerweile ist das 150. Mitglied für einen Jahresbeitrag von 18 Euro eingetreten. "Durch die regelmäßigen Öffnungszeiten hoffen wir, noch mehr Mitglieder zu gewinnen", so Pliska.
Geöffnet ist das Museum mittwochs von 10 bis 15 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr. Andere Termine können telefonisch vereinbart werden ( 46 96 oder 5 36 61).
-timo-
WAZ vom 30.01.2006
Fußball als Sport für feine Engländer
Mit einer "Historischen Sportschau" und letzten Führungen am Sonntag ging die Ausstellung im Bergbaumuseum zu Ende
"Waren damals eigentlich mehr Spieler auf dem Platz?", hallt es aus dem Publikum, "Nein, nein, die standen nur anders", sagt Uwe Wick. Der Leiter der Ausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" kennt sich aus auf dem Forschungsfeld Fußball. Zum Abschluss der Wanderausstellung wurde Wick zum Reinhold Beckmann der Fußball-Historie und lud die Besucher zur "Historischen Sportschau".
Mit alten Filmsequenzen dokumentierte Wick die Entwicklung des Fußball vom Sport für feine Engländer bis zur "Kommerzialisierung in der heutigen Zeit", so der Experte.

FOTO: WAZ, FABIAN KLASK
Was heute verblüffen mag: Der Volksport Nummer eins war in seinen Anfängen keinesfalls ein Spiel der einfachen Leute. Reichere Engländer spielten eine Mischung aus Rugby und dem heutigen Fußball, ein Regelwerk entwickelte sich langsam. Englische Händler brachten ihr liebstes Spiel dann auf den Kontinent. Auch die Deutschen fanden Gefallen am neuen Sport. So gründete sich 1575 der erste Schülerfußballverein in Deutschland, was nicht ohne Reaktionen blieb: Die Turnlehrer tobten und wetterten gegen die "englische Krankheit". Doch weder das Zetern der Turner nach diverse Spielverbote der Obrigkeit konnten den Siegeszug des Fußballs aufhalten. Vereine gründeten sich und Regeln wurden weiterentwickelt: So wurde es den Spielern gegen Ende des 19. Jahrhunderts Verboten "sich zum Ausruhen auf den Boden zu legen".
Mit Führungen am Sonntag ging die Ausstellung im Bergbaumuseum zu Ende. Die Macher verbuchten sie als Erfolg. "Wir hatten mehr Besucher als die anderen Ausstellungsorte", freute sich Markus Pliska vom Museumsverein. In den vergangenen zwei Wochen interessierten sich mehr als 1.000 Besucher für die "Fußballregion Ruhrgebiet".
-FK-
Stimberg Zeitung vom 30.01.2006
Karten gegen Fassbier
BERGBAUMUSEUM: Spvgg. gewinnt Torwandschießen / Ausstellung ist beendet
Fair geht vor. Am letzten Tag der Ausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" ging es nicht nur um graue Theorie. Zwölf Teams aus Verwaltung, Vereinen, Verbänden und Politik schossen auf die Torwand. Dass am Ende die Spielvereinigung gewann, mag nicht Überraschen. Der Hauptgewinn wurde aber aufgeteilt.
Erst im Stechen hatte sich die Spielvereinigung gegen die FDP durchgesetzt und als Lohn fünf Eintrittskarten für das Länderspiel Deutschland gegen die USA gewonnen. Die Leistung des Teams vom Willy-Brandt-Gvmnasiums um Direktorin Renate Urbaniak-Rieder war aber aller Ehren wert. Zwei Schülerinnen bewiesen ihr fußballerisches Talent und so gab es drei Länderspiel-Tickets, die die Spielvereinigung an die Schule abgab. Dass das Gymnasium zwei Fässer Bier gewann, regte zum Schmunzeln an, ein Fass wurde gegen die Karten getauscht und wird nun bei den Schwarz-Roten geleert.
Es war ein netter Abschluss für die Ausstellung, die 16 Tage lang im Bergbaumuseum zu besichtigen war, Ausstellungsleiter Uwe Wick vom Essener Willibald-Gebhardt-Institut zeigte sich sowohl von der Besucherzahl (über 800 Gäste) als auch von dem Standort angetan. Bereits am Freitagabend führte Wick, durch die Ausstellung und brachte so manches "Histörchen" näher. Denn wer weiß schon, dass man um 1900 in Bayern die mittlere Reife vorweisen musste, um in einem Verein mitkicken zu dürfen. Heute ist das gottlob anders. Wie steht doch in dicken Lettern auf einer Wand geschrieben: Fußball ist Volkssport.
-FOTOS: BÖRGER
-Jochen Börger-
Stimberg Zeitung vom 28.01.2006
"Drei oben - drei unten" als Krönung
Künstler nennen die Geschichte "Finissage", Fußballfreunde mögen es eher handfester. "Sonntag ist Schluss und alle sind willkommen", sagt Peter Hadrys vom Bergbau- und Geschichtsverein. Dass Prosecco oder Canapés gereicht werden, muss auch nicht sein. Bratwurst, Bier, aber auch Glühwein bei dem kalten Wetter - das passt auch viel besser.
Ende einer Ausstellung: Die "Fußballregion Ruhrgebiet" hat Halt gemacht im Bergbaumuseum. 16 Tage lang. An diesem Wochenende ist Schluss, die Exponate wandern weiter Richtung Hagen. Wer sich beispielsweise den "Lumpenball" aus dem Film "Das Wunder von Bern" anschauen möchte, dazu viele weitere Exponate, für den ist es noch nicht zu spät. Bis Sonntag ist die Ausstellung am Ziegeleitor noch geöffnet.
Und damit das Ganze einen würdigen Abschluss findet, sind für Sonntag noch Aktionen geplant, wie Peter Hadrys gestern mit seinen Mitstreitern Friedrich Buresch, Jürgen Gottschlich, Dietmar Seemann und Helmut Barschdorf erläuterte. In Zusammenarbeit mit der Stadt wurden für ein Torwandschießen auf dem Vereinsgelände im Schatten der ehemaligen Schachtanlage Vereine, Verbände und Parteien eingeladen. Los geht es am Sonntag um 11 Uhr, bislang hatten sich zehn Mannschaften angemeldet. Für das leibliche Wohl ist gesorgt - und wer die Ausstellung noch nicht gesehen hat, kann dies nachholen. Eine Führung gibt es um 14 Uhr, zudem ist ab 15 Uhr das Museum zu besichtigen. Am Samstag ist die Ausstellung übrigens von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
Rund 800 Gäste haben bislang die "Fußballregion Ruhrgebiet" erlebt - und dass rund die Hälfte nicht aus OE kam, stellt die Organisatoren zufrieden. Besucher aus Solingen oder Herne schwärmten von glorreichen besseren Kicker-Zeiten in ihrer Heimat. Gar nicht ins Schwärmen geraten die Mitglieder des Bergbau- und Geschichtsvereins aber mit einem Blick auf die Resonanz der heimischen Schulen: Die Paul-Gerhardt-Schule und das Gymnasium waren mit Klassen vor Ort. "Da hätte mehr kommen können."
Stimberg Zeitung vom 20.01.2006
Wenn Fußballer von 1959 faszinieren
BERGBAUMUSEUM: Kicker-Ausstellung lockt bislang rund 500 Besucher / Schüler erleben Geschichtsunterricht im "Stollen"
"Das glaub ich ja nicht, genau das Spiel haben wir damals live im Stadion miterlebt." Fasziniert schaut Hans-Josef Stüer auf den Fernseher im Bergbau- und Geschichtsmuseum und verfolgt die Begegnung Schalke 04 gegen Westfalia Herne. Damals, das war 1959, als sich der Halterner gemeinsam mit seinem Kumpel Heinz Plattschulte auf den Weg nach Schloß Strünkede machte, um seine Farben anzufeuern. 47 Jahre später sind die beiden 64-Jährigen wieder in Sachen Fußball unterwegs. Diesmal heißt das Ziel Oer-Erkenschwick, wo die Ausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" alte Zeiten aufleben lässt.
Hans-Josef Stüer und Heinz Plattschulte kommen aus Haltern am See und sind zwei gute Beispiele für die Besuchervielfalt "Am Ziegeleitor". Denn von den rund 500 Gästen, die die Exponate bisher in Augenschein genommen haben, sind rund 100 Fußballfans, die nicht aus Oer-Erkenschwick kommen. "Mit der bisherigen Resonanz sind wir wirklich zufrieden. Vor allem durch Mundpropaganda ist es uns gelungen, Gäste aus der ganzen Region zu begrüßen. Sogar aus Herne und Bochum haben schon einige den Weg zu uns gefunden", freute sich Günter Lukas vom Bergbau- und Geschichtsverein.
Kinder lernen ihre Wurzeln kennen
Während bei Hans-Josef Stüer und Heinz Plattschulte die Herzen höher schlagen, als sie über die gute alte Oberliga-West philosophieren, nimmt auch Peter Lüsel auf der Trainerbank Platz. Er muss sich als Coach jedoch nicht nur um elf "Spieler" kümmern, sondern hat gleich die doppelte Aufstellung im Schlepptau. Der Klassenlehrer der 5b der Paul-Gerhardt-Schule unterrichtet Geschichte und Sport, da musste in diesen Tagen einfach mit seinen Schülern der Gang ins Bergbau- und Geschichtsmuseum folgen. Denn wo kann man Geschichte und Sport zurzeit besser unter einen Hut bekommen, als auf dem ehemaligen Püttgelände. Und genau diese Kombination ist es auch, die den Pädagogen zu der Stippvisite veranlasste. "Leider kommen regionale Themen wie die Geschichte des Ruhrgebiets im Lehrplan oft viel zu kurz. Die Kinder wissen doch heute vielfach gar nicht mehr, wo ihre Wurzeln sind. Umso schöner ist es, wenn man bei dieser Gelegenheit auch das Bergbaumuseum besuchen kann."
Am Sonntag, 22. Januar, wird übrigens ein Mitarbeiter des Deutschen Fußballbundes eine Führung anbieten. Beginn ist um 14 Uhr. Die Ausstellung ist noch bis zum 29. Januar geöffnet.
WAZ vom 14.01.2006
Lehrstollen proppevoll
Lauter wichtige Leute finden sich dort ein, um bei der Eröffnung der Wanderausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" dabei zu sein.
Das Museum, ein Ort, an dem man sein muss "Oh je, dat wird nix, wir müssen den Bagger holen", hatte Markus Pliska noch vor einiger Zeit zur Zukunft des Bergbaumuseums befürchtet. Jetzt aber war der ehemalige Lehrstollen proppevoll mit wichtigen Leuten, mit Fußball-Begeisterten und mit solchen, die sich für die Bergbau-Region und ihre Geschichte interessieren; das Museum ist derzeit der Ort, an dem man schlichtweg sein muss. Umso mehr, weil an diesem Tag die Wander-Ausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" offiziell eröffnet wurde. Das nutzte gleich der mitveranstaltende Verein Spvgg für seinen Neujahrsempfang, und außerdem schaute auch noch der SPD-Generalsekretär Hubertus Heil vorbei.
Sie alle fanden sich in der "Revierbude" ein. Um Sektchen und Schnittchen zu probieren. Um mal wieder den Ex-Vorsitzenden der Spvgg Erkenschwick Anton Stark zu sehen oder zu hören, was der derzeitige Vorsitzende Achim Trautmann über die Spvgg zu berichten hat. Der Aushänge-Verein der Stimbergstadt wird immerhin in diesem Jahr 90, was er sich eine große Party am 9. Juni - dem Tag des WM-Eröffnungsspiels - kosten lässt. Außerdem hofft die Spvgg auf baldige Vollendung des Kunstrasen-Platzes.
Die Gäste hatten aber auch Gelegenheit, sich von Michael Grzeskowiak das Spiel "Klick zum Kick" erklären zu lassen: Auf www.wm-tour2006.de kann gevotet werden; je mehr Menschen sich beteiligen, desto wahrscheinlicher wird, dass eine Großbildleinwand in Oer-Erkenschwick ausgerollt wird. Später führte Uwe Wick, Projektleiter des Willibald-Gebhardt-Instituts, per Powerpoint-Präsentation in die Ausstellung ein, die sein Arbeitgeber zusammengetragen und schon zu einigen anderen Ausstellungsorten im Ruhrgebiet gebracht hat. "Nirgendwo sonst gibt es so viele Fußballvereine und eine vergleichbare Begeisterung für den Sport", so Wick über den Revierfußball. Auf neun Stellwänden rankt sich alles um 100 Jahre Fußball zwischen Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe. Dabei sind Anekdoten aus dem "(B)Alltag im Revier" ebenso berücksichtigt wie etwa der Pokalsieg von Schwarz-Weiß Essen im Jahr 1959. Überflüssig zu erwähnen, dass ein Foto auch die Spvgg abbildet - im Spiel gegen Borussia Dortmund Anfang der 50er Jahre. Eine Endlos-Ton-Dia-Schau informiert und unterhält zugleich, außerdem kann der Fan Platz nehmen in drei Generationen von Fußball-Sesseln: Rote, harte Bänke aus der Glückaufkampfbahn in Gelsenkirchen-Schalke, Sitze aus dem Parkstadion und Hightech-Gestühl aus der Schalker Arena. Beteiligt an der Ausstellung waren übrigens auch Schülerinnen und Schüler des Willy-Brandt-Gymnasiums. Sie steuerten einiges Wissenswertes zur Geschichte der Spvgg und zu Mädchen- und Frauenfußball bei.
Highlight der Ausstellungs-Eröffnung zum Schluss: Nachdem der Generalsekretär sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatte, hub der Sängerkreis der ehemaligen Grubenwehr an, zunächst das Oer-Erkenschwicker Lied und dann "Glück auf, der Steiger kommt" zu singen. Da half es alles nichts, Dieter Simanek reichte sein Liedblatt rüber und auch Hubertus Heil musste schmettern, was Gitarre und Akkordeon sowie viele Stimmen der Anwesenden begleiteten.
-tu-
Stimberg Zeitung vom 14.01.2006
Wenn der "Lumpenball" die Currywurst trifft
Da staunt der Wissenschaftler und der Fußball-Fan freut sich. Projektleiter Uwe Wick vom Essener Willibald-Gebhardt-Institut ist mit der Wanderausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" schon an zahlreichen "Spielstätten" unterwegs. Die größte war in der Gelsenkirchener "Arena". Die zweitgrößte in Oer-Erkenschwick. Sagt der Fachmann. Und der muss es wissen.
Fußball und Ruhrgebiet - was passt da besser, als eine solche Ausstellung an historischer Stätte in einem Bergbaumuseum zu platzieren. Der Bergbau- und Geschichtsverein als Gastgeber holte die Spielvereinigung Erkenschwick zur Auftakt-Veranstaltung mit ins Boot, der Traditionsverein lud seine Freunde und Gönner zum Neujahrsempfang.
Klönen über die Fußball-Historie, und das im Schatten eines ehemaligen "Pütt"-Geländes". Das passt und so waren sich die rund 100 Gäste am Donnerstag einig, dass es einen besseren Standort für die Ausstellung nicht gibt. Kabine, Kneipe, Kurve: Accessoires einer alten Umkleide, alles rund um das Leitmotiv "Currywurst, Pils und Spiele" und vieles, was das Fan-Herz begehrt, kann man bis zum 29. Januar betrachten und in
Erinnerungen schwelgen. Auch den "Lumpenball" aus Sönke Wortmanns Erfolgsfilm "Das Wunder von Bern." Lokale Themen sind ebenfalls integriert. Dafür haben Schüler des Willy-Brandt-Gymnasiums unter der Leitung von Holger Arntz gesorgt, die nicht nur das Stadtarchiv "auf den Kopf" stellten oder den ehemaligen Spvgg.-Präsidenten Anton Stark löcherten, sondern sich auch dem Frauenfußball in OE näherten.
Im Jahr des 90-jährigen Bestehens der Spielvereinigung ist es passend, die Ausstellung in die Stadt zu holen. Doch bei derlei wehmütigen Blicken in die Vergangenheit, Präsident Achim Trautmann schaute auch hoffnungsfroh in die Zukunft: Gleich drei Wünsche auf einmal hat er für den Gründungs-Geburtstag am 9. Juni, den Tag des WM-Eröffnungsspiels. Oberliga-Verbleib der ersten Mannschaft, Fertigstellung des Kunstrasenplatzes und Bundesliga-Aufstieg der A-Junioren. Tradition braucht ja nicht vor Visionen zu schützen.

-Jochen Börger-
Stimberg Zeitung vom 11.01.2006
Geschichte wird lebendig
Das Ruhrgebiet ist die größte Fußballlandschaft des gesamten Kontinents. Oer-Erkenschwick liegt mittendrin. Nicht nur geografisch, sondern auch sportlich. Und so ist es nur folgerichtig, dass die Wanderausstellung "Fußballregion Ruhrgebiet" auch am Stimberg Halt macht.
Übrigens dort, wo die beruflichen Wurzeln der Kicker liegen, die vor Jahrzehnten der Spvgg. Erkenschwick zu großem Glanz verhalfen. Denn die Ausstellung wird in der "Revierbude" des Bergbau- und Geschichtsvereins am "Ziegeleitor" eröffnet. Und zwar am Donnerstag, 12. Januar, um 19 Uhr.
Bei dieser Fußballschau, die mehr als 100 Jahre Revierfußball wieder lebendig werden lässt, handelt es sich um ein gemeinsames Projekt des DFB und des FLVW mit finanzieller Unterstützung des NRW-Sportministeriums und der Projekt Ruhr GmbH. Die Ausstellungseröffnung, zu der sich am späteren Abend auch der Bundes-Generalsekretär der SPD, Hubertus Heil, angesagt hat, ist öffentlich.
Oer-Erkenschwicks WM-Beauftragter Michael Grzeskowiak weist zudem auf die am Freitag, 13. Januar, beginnende Aktion "Klick zum Kick" hin.
www.wm-tour2006.de
Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. September 2011 um 20:20 Uhr