Der 14jährige Hennes Stark fing im Mai 1921 über Tage auf der Zeche an. Erst nach zwei Jahren, mit 16, durften die Schachtkrätzer, wie man die Auszubildenden der Zeche damals nannte, die erste Seilfahrt in den Schacht machen. Die Jugendlichen hatten noch keine Nachtschicht, aber regelmäßig zweimal die Woche Fortbildungsunterricht, für den es keinen Pfenning Lohn gab. Nach der anstrengenden Schicht fiel es manchmal schwer, dem für die Grubenausbildung zuständigen Fahrsteiger Alt oder dem Lehrer Kellerhoff die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Damals gab es in der Grube auch noch Pferde, die Eigentum der Firma Van Eupen waren. Ein Pferd bekam den Lohn eines Hauers, damals zwischen 7,72 und 8,52 Mark Schichtlohn. 1924 kam der erste Abbauhammer nach unten. Der Fahrhauer Josef Wiebusch war ein starker Mann und nach seiner Leistung mit dem neuen Hammer wurde das Gedinge festgelegt.
Das große Unglück vom 1. Mai 1928 mit 16 Toten und 31 Verletzten erlebte Hennes Stark oben am Schacht. Den Knall von damals hat er bis heute nicht vergessen und der Schock über das Unglück steckte nicht nur ihm lange in den Gliedern.
Nach Arbeitslosigkeit von 1931 bis 1936 und Notstandsarbeit beim Bauern gehörte er mit zu den ersten, die wieder Arbeit auf der Zeche fanden. Nun mußte man sich nicht mehr am Lohnschalter anstellen und an den Geldtagen auf den Steiger und seine Unterschrift warten, um an sein schwer verdientes Geld zu kommen. Die deprimierende Wartezeit verkürzte so mancher mit einem Flachmann. An einen Silvesterabend in der Waschkaue erinnert sich Hennes Stark noch besonders gern, als sich rund ein Dutzend Kumpel so reichlich am Schnaps gütlich getan hatten, daß ihnen die heiße Dusche den Rest gab und einer nach dem andern umkippte. Gerne hätte er damals die schwarz-weißen Nackedeis auf dem Boden der Kaue fotografiert.
Nach 38 Jahren Berufsausübung ohne nennenswerten Unfall beendete Hennes Stark 1963 seine Arbeit auf der Zeche.
Ruth Kellmann
nach einer Erzählung von Hennes Stark