Mit der Gründung einer Zeche auf Erkenschwicker Boden kam auch die Zeit der Bergmannsvereine, die sich seit jeher die Pflege der Kameradschaft und gegenseitige Unterstützung zum Ziel gesetzt haben. Der Bergmannsverein "Glück-Auf", die älteste Gemeinschaft ihrer Art am Stimberg, wurde bereits am 17. März 1906 gegründet, und zwar überwiegend von Männern, die von Herne-Sodingen zur noch jungen Schachtanlage Ewald Fortsetzung gekommen waren.
Es dauerte allerdings lange, ehe dieser Verein unter den heimischen Bergleuten eine größere Rolle spielte. Die kaiserlichen Behörden betrachteten die Neugründung lange Zeit sehr mißtrauisch, da sich unter den ersten Mitgliedern fünf Anhänger der Sozialdemokratischen Partei befanden, von denen drei sogar dem Vorstand angehörten. Im Kaiserreich, das von 1871 bis 1918 bestand, wurden aber die Sozialdemokraten praktisch bis zum Ersten Weltkrieg als Staatsfeinde betrachtet. In den ersten Jahren seines Bestehens kam der Bergmannsverein "Glück-Auf" nicht über 25 bis 30 Mitglieder hinaus, obwohl die Zeche Ewald Fortsetzung 1906 bereits 615 Belegschaftsmitglieder zählte und 1913 sogar fast 2.500.
Zu einer wirklich gedeihlichen Entwicklung gelangte der Verein eigentlich erst in der Weimarer Republik, zumal dann auch manche Fesseln gefallen waren, die die Organisation während der Wilhelminischen Aera, also im Deutschen Reich der Hohenzollernkaiser, so sehr gehemmt hatten. Vom 27. bis zum 29. Juni 1925 feierte der Verein ganz großzügig seine Fahnenweihe, an der ein halbes Dutzend Vereine von auswärts teilnahmen.
Gesellige Veranstaltungen mit Tanz, Kinderbescherungen, Teilnahme an auswärtigen Festen, Unterstützung bedürftiger Kameraden, Hilfe bei Sterbefällen, alles das wurde bei wachsenden Mitgliederzahlen immer intensiver gepflegt. Durch die Stillegung der Zeche Ewald Fortsetzung im Jahre 1931 wurde auch der Verein "Glück-Auf" hart betroffen. Im Jahre 1939 zählte der Verein nur noch 36 Vollmitglieder und neun Witwen zu seinem Bestand.
Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte ein vollständiger Neuaufbau des Vereins, bei dem sich der 1. Vorsitzende Georg Siering besonders verdient machte. Als im Jahre 1956 Franz Lang zu seinem Nachfolger gewählt wurde, hatte der Verein bereits 237 Mitglieder.
Unter seiner Leitung wuchs der Verein bis auf fast 900 Mitglieder und wurde damit zum größten Bergmannsverein der Bundesrepublik Deutschland. Zwar hatte sich 1956 eine kleine Gruppe abgespalten, dafür trat aber der Bergmannsverein "Schlägel und Eisen", der sein Schwergewicht in Oer hatte, geschlossen zu "Glück-Auf" über.
Neben dem geselligen Leben mit Festen am Ort und Besuchen auswärtiger Vereine, Ausflugsfahrten für Erwachsene und Kinder, Beteiligung an nationalen Veranstaltungen und mitunter sogar auf internationaler Ebene, Hausfrauennachmittagen, Barbarafeiern, Kinderbescherungen und dergleichen war das Pensum des Vereins noch keineswegs erschöpft. Die Ausgaben für soziale Zwecke wurden nach und nach wesentlich erhöht, wie z.B. für Geburtenzuschuß, Badekurenzuschuß, Zuwendungen bei Not und Hilfsbedürftigkeit, Geschenke bei grünen, silbernen und goldenen Hochzeiten, ganz abgesehen von dem Sterbegeld.
Im Jahre 1971 trat Lothar Uecker die Nachfolge von Franz Lang an, der sich aus gesundheitlichen Gründen zum Rücktritt veranlaßt sah. Unter Ueckers Leitung fand die 70-Jahr-Feier statt, die zu einem großen Volksfest für die gesamte Bevölkerung Oer-Erkenschwicks gestaltet wurde. Zur 25-Jahr-Feier der Stadt Oer-Erkenschwick im Jahre 1978 wartete "Glück-Auf" mit Großveranstaltungen in einem Riesenzelt über drei Tage hinweg auf.
Im Jahre 1982 verzichtete Lothar Uecker wegen seiner angegriffenen Gesundheit auf den Platz des 1. Vorsitzenden, worauf Rudolf

Schneider für dieses Amt gewählt wurde. Die Kontinuität des Vereinslebens in all den Jahren wurde nicht zuletzt durch Heinz Schäfer gewahrt, dem 1988 als erstem einfachen Bürger dieser Stadt der Goldene Ehrenring der Stadt Oer-Erkenschwick verliehen wurde (schon 1974 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1986 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine Verdienste im sozialen und sportlichen Bereich verliehen). Bereits 1968 übernahm er die Funktion des Geschäftsführers, die er nunmehr schon im 22ten Jahr ausübt. An der 80-Jahr-Feier, die im Juli 1986 begangen wurde, nahmen wiederum zahlreiche Vereine und die gesamte Bevölkerung von Oer-Erkenschwick teil.
Die Verbundenheit mit dem Bergmannsverein "Glück-Auf" mit der heimischen Schachtanlage, die seit einigen Jahren nicht mehr Ewald Fortsetzung, sondern Bergwerk Haard heißt, kommt nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, daß der einstige Arbeitsdirektor der Bergbau AG, Hans Holobar, viele Jahre als Schirmherr fungierte, während nach dessen Pensionierung der Grubenbetriebsführer Hermann Sievers dessen Stelle im Verein übernahm. Der Verein hegt weiterhin die Zuversicht, seine Tradition auch über die in zehn Jahren stattfindende Jahrtausendwende fortführen zu können.
Rudolf Colneric
aus: Chronik der Stadt Oer-Erkenschwick